Chaussee der Enthusiasten
Die letzte Show



LESEBÜHNE - 20:00 Uhr
Nur noch am Mittwoch, dem 9.12. in der Alten Kantine

Donnerstag, 25. August 2011

Mutierte Obstfliegen

Obstfliegen haben meine Küche besetzt und das, obwohl ich so gut wie nie Obst esse. Jedes Mal, wenn ich etwas in den Müll schmeiße, stiebt eine riesige schwarze Wolke aus dem Abfalleimer, in dem sich überhaupt nichts obstartiges befindet. Ich verstehe das nicht. Vielleicht mutierte Obstfliegen? Die nicht mehr auf Obst angewiesen sind, sondern sich wahllos über Käsereste, alte Zeitungen und Kaffeesatz hermachen? Hat jemand einen Tipp, wie man die wieder los wird, ohne sie leiden zu lassen?
(Hier fehlt eine elegante Überleitung) Heute mit dabei: Chausseegründungsmitglied Andreas "Baufresse" Gläser mit neuen Texten und Sven van Thom mit neuen Liedern.

Mittwoch, 17. August 2011

Manchmal muss es einfach raus

"Ich will pinkeln, ich will pinkeln", rief Gerard Depardieu und entleerte sich in den Gang eines vollbesetzten Flugzeuges. Ich kann ihn gut verstehen. Es gibt nichts schlimmeres, als sich alkoholisiert und mit voller Blase an einem Ort zu befinden, an dem man sich nicht erleichtern kann. Man glaubt, verrückt zu werden, die Schmerzen steigern sich in einer rasant anwachsenden Kurve und irgendwann geht es dann einfach nicht mehr: es muss raus. Das perfide ist ja, dass bei einem vorangegangenen raschen Alkoholkonsum nur ein paar Minuten vergehen können zwischen dem ersten leichten Blasendruck und dem Gefühl, die Blase könne jeden Moment bersten. Ich finde, diese qualvollen Minuten gehören zum schlimmsten, was man erleben kann, aber der Moment der Erleichterung kommt dem des Orgasmus ziemlich nahe.
Ich habe schon aus einer fahrenden S-Bahn gepinkelt, als man die Türen noch während der Fahrt öffnen konnte, in Amsterdam verfolgte mich ein Sicherheitsbeamter (ich war schneller), nachdem ich minutenlang auf der Suche nach einer geeigneten Örtlichkeit gewesen war und mich schließlich in einem Parkhaus erleichtert hatte, kurz nach dem Mauerfall stand ich glücklich pieselnd auf dem Mittelstreifen des Kudamms und in einer Diskothek auf der Insel Rügen entleerte ich meine Blase in einem dunklen Winkel, nachdem ich weder Toiletten noch Ausgang gefunden hatte. Und in jedem dieser Fälle muss ich sagen: es gab keine andere Möglichkeit. Insofern großes Kompliment an die Fluggäste, die Depardieus Malheur offenbar sehr gelassen zur Kenntnis nahmen.
Wir nähern uns mit großen Schritten dem Tag, an dem alle Enthusiasten aus dem Urlaub zurück und wir wieder in Bestbesetzung auf der Bühne stehen. Aber was heißt schon Bestbesetzung, oft sind es ja die Edeljoker, die einer Show erst die richtige Würze geben. Gleich zwei davon sind morgen mit dabei, der legendäre Spider und der sagenhafte Tube, wir freuen uns.

Mittwoch, 10. August 2011

Sommergäste

Weil einige von uns immer noch oder schon wieder oder erst jetzt im Urlaub sind, läßt die Schar der illustren Gäste nicht nach, die uns beehren. Morgen zum ersten Mal bei uns: Florian Werner, der sich in seinem neuesten Buch einem echten Scheißthema gewidmet hat.
Außerdem bringen Lesebühnenveteran Spider und der unfassbar junge Sebastian Lehmann frische Texte mit.
Apropos frisch. Das Wetter. Wird ständig drüber gejammert, gerade momentan, aber keiner steht auf und engagiert sich wirklich. Darum will ich mal mit gutem Beispiel vorangehen. Ihr müßt auf das Video unten klicken und alle laut mitsingen, und wenn sich genug von euch beteiligen, dann entsteht ein morphisches Feld und dann, na ihr wißt schon.


Mittwoch, 3. August 2011

Mano Nera, Sonia Rossi & Uli Hannemann

Die deutschen Aktionäre seien nervös, seit der DAX vor einer Woche gefallen ist, heißt es. Wie wird eigentlich solche Nervosität gemessen? Soll man sich den nervösen Aktionär wie einen Eisbären vorstellen, der im Gehege auf und ab läuft und dabei den Kopf hin und her wiegt? Oder sitzt der moderne Aktionär doch eher auf einer Parkbank am Laptop, und seine Nervosität drück sich darin aus, dass er andauernd die Backspacetaste bedienen muss? In den 80er Jahren wurde am programmfreien Nachmittag im Westfernsehen oft "Börse" gezeigt, indem vor einer bahnhofsartigen Soundkulisse lediglich eine Tafel abgebildet war, auf die ab und zu eine Schattenhand die neuen Kurse einzeichnete. Aber wenn es nichts anderes zu gucken gab und Internet noch nicht erfunden war, dann musste es eben Schattenhand sein.
Unser Gast Sonia Rossi, die am 4. August bei uns liest, hat bereits zwei Fachbücher zum Thema Zweisamkeit in Berlin veröffentlicht, in denen vor allem die Themen Dating und Fucking abgehandelt werden. Ob sie bei der Chaussee eher von Flirting und Petting liest oder gar ihre sizilianische Vergangenheit ins Spiel bringt, davon lassen wir uns und ihr euch überraschen. Uli Hannemann solltet ihr auf jeden Fall kennen. Wenn nicht durch seine Lesebühnen "LSD" und "Reformbühne" oder durch seine Bücher, dann doch wohl durch seinen launigen & inspirierenden Blök.
Kommt, schaut, hört!

Donnerstag, 28. Juli 2011

Englische Inseln

Der Dichter und Mystiker Novalis schrieb einst "Jeder Engländer ist eine Insel." Auf die letztes Wochenende von uns gegangene Soul-Liedermacherin dürfte das durchaus zugetroffen haben. Fragt sich nur, wer oder was das sie umspülende Meer gewesen sein mochte: Ihr Seelenpanzer, der sie vor den Zumutungen dieser Welt abschirmen sollte oder der Haufen bewusstseinsverändernder Substanzen. Schaut man sich Amy an, so muss man jedenfalls zur Ansicht gelangen, es lohne sich nicht, Engländerin oder gar englische Künstlerin zu sein.
Aber es geht auch anders. Wer letzte Woche das Glück hatte, unserer Lesung beizuwohnen, wird gesehen haben, dass Jacinta Nandi den Novalis Lügen straft. Sie ist das uninselhafteste Wesen der nördlichen Erdhalbkugel, wie ihr euch auf diesem Video überzeugen könnt.

Da sie unsere Herzen so sehr erwärmt hat, wird sie uns heute noch einmal beehren. Und unser guter alter Freund Ahne wird nicht nur neue Zwiegespräche mit Gott im Gepäck bereithalten, sondern sogar Platten auflegen.
20:30 Uhr stimmt die Schreibmaschine ihr Liedchen an.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Ritter, Schelme und Jacinta

Einer neuen Studie italienischer und englischer Wissenschaftler zufolge litten die mittelalterlichen Ritter enorm unter der Last ihrer Rüstungen. Gelenkschäden, Sauerstoffmangel in Kombination mit Flachatmung, Desorientierung waren die Folge, die letztlich auch zum Verlust der Schlacht von Azincourt am 25. Oktober 1415 führte.
Wir haben leicht Spotten: Die Tage, da man geharnischt herumreiten muss, um nicht von feindseligen Bauern angegriffen zu werden, sind vorbei.
Andererseits besteht man darauf, dass die Karosserien der Wagen, in denen man sich in einer Geschwindigkeit durch die Gegend kutschieren lässt, die jeden Ritterrappen vor Neid erbleichen ließe, ebenfalls aus genormter Blechpanzerung besteht.
Wilhelm Reich, der alte Psycho-Schelm, sprach gar von einem Körperpanzer, mit dem wir modernen Neurotiker uns umgeben und der nur durch andauerndes sexuelles Training gelockert würde.
Am kommenden Donnerstag ist erstmals Jacinta Nandi bei uns zu Gast. Wenn das kein Grund ist, uns ab 20.30 Uhr zu besuchen, dann gleicht die Welt einer Bananenschale, die traurig in einem der letzten DDR-Papierkörbe im Plänterwald vor sich hin gammelt, unfähig, den Sinn des Lebens auch nur annähernd zu erfassen, geschweige denn, diesen Gedanken in modernem Deutsch wiederzugeben.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Kampf gegen den Selbstzwang zur Lohnarbeit

Die Inhaberin des Waffel-Verkaufsstands im Ostseebad Wustrow entzieht sich seit Jahren auf bemerkenswerte Weise dem Druck kapitalistischer Verwertungslogik: Trotz Monopolstellung, trotz langer Schlangen vor ihrem Laden, trotz vieler potentieller Kunden, die angesichts dieser Schlangen sich das Waffelkaufen schulterzuckend verkneifen, besteht die fettleibige Dame des profanen Subgenres des Konditoreigewerbes darauf, mit nur einem Waffeleisen klarzukommen. Dieser scheinbare Mangel an Produktionsmitteln verschafft der Madam immerhin zwischen ihren kurzen Teigaufgieß-Arbeits-Stößen angenehme Pausen von zirka 3 Minuten. Ungeachtet der enormen Nachfrage in der Urlaubs-Hochsaison öffnet sie ihre Bude erst mittags, und so kommt sie bei einem Acht-Stunden-Tag auf eine Gesamt-Pausen-Zeit von sechs Stunden. Dieser Luxus wäre natürlich hin, sobald sie sich ein zweites Waffel-Eisen zulegen würde. Die Profanität des Waffelgenusses für Urlauber darf den Kampf gegen den Selbstzwang zur Lohnarbeit nicht erschüttern. Wollen wir hoffen, dass sich unter all den Eis-, Wurst- und Fischbuden kein Konkurrent findet, der sich für 27,- Euro ein Waffeleisen in seine Eisbude stellt.

Unser alter Freund und Verfasser des liebreizenden Buches "Die Schwarte Mamba" Gotti, wird uns morgen durch seine Anwesenheit beehren.