Chaussee der Enthusiasten
Die letzte Show



LESEBÜHNE - 20:00 Uhr
Nur noch am Mittwoch, dem 9.12. in der Alten Kantine

Montag, 28. Oktober 2019

20 Jahre Chaussee der Enthusiasten

Heute ist es genau zwanzig Jahre her, dass die Chaussee der Enthusiasten zum ersten Mal auftrat. Ein verrauchter Keller in der Tagung war unsere erste Spielstätte, und der Globus von Anfang an mit dabei. Dass unser Mikrokabel nicht in die Anlage passte, war kein Problem. Wir besorgten ein Ersatzkabel aus dem befreundeten Knorre-Club, was uns nicht viel weiterhalf, da Jochen das Kabel irgendwie so zerschnitt, dass man es weder anknüppern noch jemals wieder reparieren könnte. Also mussten wir ohne Mikrofon lesen, was für die 23 Zuschauer weniger ein Problem war als für uns, die den Mikroständer zum Festhalten brauchten. Andreas Gläser legte Independent-Ska-Musik auf, und Ahne war unser berühmter Stargast von der Reformbühne. Damals gehörten zu unserer Truppe Jochen Schmidt, Dan Richter, Robert Naumann, Andreas Gläser und Andreas Rüttenauer. Volker Strübing und Stephan Zeisig kamen dazu, als Rüttenauer ausstieg. Später wurde Volker Strübing von Kirsten Fuchs abgelöst, und Kurt Krömer probierte sich in der Anfangszeit für drei Monate als Enthusiast aus. Wir hofften, zwei oder drei Jahre durchzuhalten. Es wurden dann fünfzehn Jahre. In Cube-Club, RAW-Ambulatorium, Stenzerhalle, Skandal, Turnhalle,Café Szimpla und Frannz.
Wir trennten uns friedlicher als die Beatles und feiern unsere Reunions häufiger als jede 70er-Jahre-Glitter-Rockband.
Aber zwanzig Jahre sind nun mal wirklich etwas Besonderes: Wir feiern Ende November im Rahmen des Kantinenlesens. Wir lesen vor, singen und dialogisieren wieder vor uns hin.
Wir sind natürlich offen für Geschenke, zum Beispiel hat uns Google diesen Treffer hier gleich als Erstes bei der Suche nach passenden Geschenken serviert:

https://www.mydays.de/geschenkidee/berlin-floating-becken
Wer läge nicht gern mit einem Enthusiasten im Becken?

Aber was uns mindestens genauso beglückt, ist, wenn ihr uns am 30.11. in der Alten Kantine besucht.
Mit dabei: Kirsten Fuchs, Jochen Schmidt, Dan Richter, Volker Strübing, Stephan Serin, Andreas Kampa, Andreas Gläser. Und Robert Naumann steht für Smalltalks zur Verfügung.
 Tickets gibt es hier: https://event16193.cortex-tickets.de/

Sonntag, 23. September 2018

Sex mit den Ex


Wir wollten die Angelegenheit eigentlich auf sich beruhen lassen. Der Paartherapeut, die Scheidungsanwälte, das Vermögen - all diese Dinge liegen nun schon fast drei Jahre hinter uns.
Und nun, da es keinen Druck mehr gibt, fühlt man sich wieder zueinander hingezogen. Alle paar Monate trifft man sich zum gemeinsamen Vorlesen. Hauptsache, die anderen Lesebühnen, die verpartnerten Verlage, Slam-Shows und Improtheater bekommen keinen Wind davon.
Das nächste Mal kann man uns sehen am 29.9.2018 um 20 Uhr in der Alten Kantine in der Kulturbrauerei.

Diesmal lohnt es sich wahrscheinlich, vorher Karten zu kaufen.

Dienstag, 10. Mai 2016

Abschied von den Klemmmappen

Sieben Kilogramm Chaussee-Texte aus den Klemmmappen entfernt und in die Papiermülltüte gestopft. Die ersten Texte noch zerrissen, dann wurde diese Mühe zu viel und ich stopfe sie stapelweise hinein.

Es gleicht einem Entsorgen der eigenen Geschichte. An manchen Mappen habe ich so sehr gehangen. Fast glaube ich noch, an der blauen Mappe, mit der alles begann, den Zigarettenrauch des Bergwerk und des Cube Club zu riechen. Manche Texte zigmal korrigiert. Völlig zerknittert die Hits, die ich bei manchen Auftritten zu A6 gefaltet in der Hosentasche trug. Andere Texte waren Mist. Einmal bei der Chaussee gelesen, bei mir selbst und dem Publikum durchgefallen. Sie blieben dennoch in der Mappe. Peinlicher Sprachmüll, der mich mahnt, jungen Autoren gegenüber nachsichtig zu sein. Die Klemmmappe von 2006 war die prallste. Nie wieder hatte ich einen solchen Ausstoß an Kurzgeschichten. Nie wieder war die Chaussee so erfolgreich wie in jenem Jahr.
Als ich mir 2012 ein Lesegerät zulegte, hörte ich auf, Texte auszudrucken. Sie nahmen einfach zu viel Platz weg. In dem Notizbuch großen Gerät könnte ich das Äquivalent einer kompletten Bibliothek transportieren. Jochen Schmidt bemängelte, es sähe auf der Bühne nicht gut aus, wenn man aus dem Reader vorlese. Papier hingegen wirke wie gerade geschrieben. Und ab Mitte 2015 beherzigte ich seinen Rat wieder. Ich druckte die Texte aus (und warf sie nach der Lesung wieder weg, nicht ohne sie auf dem Reader abzuspeichern). Vielleicht war mein Umstieg auf den E-Leser der letzte Sargnagel für die Chaussee der Enthusiasten. Kurz danach stieg Kirsten Fuchs aus und bald darauf Robert Naumann. Die Chaussee war immer eine sechssaitige Gitarre gewesen. Nun weiß jeder Gitarrist, dass man mit fünf Saiten noch einigermaßen spielen kann. Aber mit vier Saiten klingt es eben auch nicht mehr nach Gitarre. Seit Januar 2016 bin ich nur noch meine eigene Saite. Ich muss aufpassen, dass ich nicht verstumme. In den Monaten seitdem habe ich so wenige Kurztexte wie noch nie seit 1999 geschrieben.
Die Mappen liegen leer aufgestapelt auf meinem Tisch wie Tierhäute. Die Papiermülltüte wartet. Ich flüstere den Texten ein kleines „Danke und tschüss!“ zu, dann gehe ich die Treppe hinunter und werfe die Tüte in den Altpapiercontainer.
Dan Richter

Mittwoch, 13. Januar 2016

Schon einen Monat her ...

Ich habe auf meine Seite jetzt den Songtext zu meinem Abschlusslied gestellt. Personen meines Vertrauens meinten ja zu mir, kaum jemand hätte mitbekommen, auf welche Lieder mein Lied Bezug nimmt. Darum kann man den Text nun nochmal nachlesen.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Lost in Innsbruck - Wie AC/DC ohne AC und DC

Eine Woche ohne Chaussee der Enthusiasten, Zeit einmal einen älteren Text zu posten, der das Gefühl ganz gut beschreibt. 2008 waren wir in Innbruck zu Gast und die anderen sind ohne mich aus dem Hotel losspaziert. Natürlich war, wie alles im Leben, auch das sofort wieder Anlaß für einen Text. JS



Lost in Innsbruck
Das mußte ein Irrtum sein, an der Rezeption hatte es geheißen, meine Kollegen seien schon losgegangen. Ich war nur kurz auf dem Zimmer gewesen, um die Geschenke zu holen, mit denen ich sie unterwegs überraschen wollte, aber anscheinend hatte keiner von ihnen mitbekommen, daß ich den Ausflug zur Innsbrucker Hungerburgbahn mitmachen wollte. Dabei war heute der letzte Tag an dem die Bahn fahren würde, ab morgen würde sie durch die neugebaute Bahn ersetzt. Über 100 Jahre, und ich war nie damit gefahren! Und jetzt war es zu spät, meine Freunde hatten mich vergessen. Sie waren einfach losgegangen ohne sich umzudrehen. Zum ersten Mal seit acht Jahren war ich allein auf der Welt.


 Ich mußte sie finden, sie konnten noch nicht weit sein. Aber in den engen Gassen Innsbrucks suchte ich sie vergebens. Überall wo ich war, konnten sie gerade gewesen sein. Wo ich nicht war, konnten sie gerade sein. Meine einzige Chance, sie zu finden, wäre gewesen, mich mit Lichtgeschwindigkeit zu bewegen, denn das Licht ist überall gleichzeitig. Realistisch war das nicht. Warum hatten sie mich bloß vergessen? Merkten sie überhaupt, daß ich fehlte? Ich war so allein, ich würde nicht schimpfen, wenn ich sie nur wiederfände. Höchstens eine Ohrfeige, damit sie sich merkten, in Zukunft besser aufzupassen, aber dann auch gleich ein Kuß, weil ich so erleichtert wäre.


So allein, wie ich war, konnte ich nichts mehr genießen. Innsbruck, diese schöne Stadt in den Alpen, war plötzlich ganz häßlich für meine Augen. Mein Leben schien mir sinnlos, ohne meine Freunde. Alles war fade geworden.


Es kam mir vor als stände eine Wand zwischen mir und den Dingen. Ich konnte an nichts anderes denken. Ich war allein, ausgeschlossen von den Spielen der anderen. Man hatte mich vergessen, sie wußten nicht, wie es mir ging, weil sie ihre Telefone ausgestellt hatten. Oder war das Absicht gewesen? Hatten sie mich gar nicht vergessen, sondern abschütteln wollen? Schon auf der Bahnfahrt hatte niemand neben mir sitzen wollen, weil ich an Blähungen litt. Aber daß sie mich deshalb ausschlossen?


Ihre Telefone waren aus. Es war Sonnabend. Wenn ich ihnen schreiben wollte, mußte ich in dieser Stadt das Wochenende abwarten. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, in meiner jetzigen Verfassung auch nur den heutigen Tag zu überstehen.


Wenn man verlassen wurde, ist man ungerecht zu sich und der Welt. Man sieht nur noch das Negative. Eine Stunde irrte ich atemlos durch die Gassen Innsbrucks. Italienische Reisegruppen wurden herumgeführt. So viele Menschen, aber blieb einer zurück, warteten die anderen und riefen den Verirrten wieder heran. Auf Weihnachtsmärkten drängten sich die Menschen und freuten sich auf das Fest, aber für mich würde es in diesem Jahr kein Weihnachten geben, ich war ein Ausgeschlossener, denn meine Freunde fuhren ohne mich mit der Hungerburgbahn.


Das schlimmste war: ich konnte mit ihnen nicht abschließen und meinen Kummer hinter mir lassen, alles schien mich an sie zu erinnern! Bohni, der jede Woche vor der Show ein mit Boulette belegtes Brötchen gegessen hatte. Wie oft hatte ich ihn verspottet, weil er sich so schlecht ernährte, jetzt tat es mir leid. Sollte er doch Boulettenbrötchen essen, wenn sie ihm schmeckten! Wie lieblich seine Bouletten in meiner Erinnerung dufteten, jetzt, wo ich sie vielleicht nie mehr riechen würde.


Und Stephan, der wegen seiner Füße als Kind ein halbes Jahr in Gips gelegen hatte und damals nur Freunde aus der Gipsszene hatte. Hätte ich ihm nicht jede Ungerechtigkeit verzeihen müssen, wo das Leben so ungerecht zu ihm gewesen war? Das Knirschen seiner orthopädischen Schuhe, es war längst ein Stück Heimat für mich geworden.


Dan, der sich mit Mozart auskannte, wie kein zweiter. Er hatte alle seine CDs. Und ich hatte diesem Habsburger Perrückenpudel nie etwas abgewinnen können. Ich summte vor mich hin: Ba, baba, babababababaaa… So übel war das doch gar nicht. Schade, daß Dan mich jetzt nicht hören konnte.


Robert, wie oft hatte er mich nicht verstanden, weil ich immer so nuschele. Selbst, wenn ich ihm direkt ins Ohr sprach. Warum war ich dann immer so unfreundlich und weigerte mich, das Gesagte zu wiederholen? Und wenn es fünfmal sein mußte, das machte doch nichts, schließlich war er schwerhörig. Ach, ich war ein schlechter Mensch. Wie hatten sie es nur so lange mit mir ausgehalten?


Und schließlich Volker, der immer so dicke Science-Fiction-Bücher las, 1000 Seiten und mehr. Hätte ich nicht auch mal eins lesen sollen? Und wenn es drei Jahre dauerte, ich mußte doch versuchen, mich den Interessen meiner Freunde zu öffnen. Immerhin sahen UFOs aus wie Hamburger, und die hatten mir doch immer geschmeckt.


Ich irrte durch die Straßen Innsbrucks, überall sah ich Zeichen, die für mich gemeint sein konnten. Aber selbst, wenn es so war, was sollten sie bedeuten?


Warum konnten sie sich nicht eindeutiger ausdrücken? Was sollte immer diese verschrobene Art? Aber nein, ich wollte mich nicht ärgern, meistens war man doch selber schuld, wenn man etwas nicht mitbekam. Ein Pfeil geradeaus, einer nach rechts, das war sicher ganz logisch, und es lag nur an mir, wenn ich den Sinn nicht verstand.


Vor den Auslagen eines Shops überlegte ich, was ich ihnen schenken würde, wenn ich sie je wiedersehen sollte. Es müßte etwas ausgefallenes sein, ein Grillkoffer. Wir hatten noch nie zusammen gegrillt, mit so einem Koffer wäre daran zu denken gewesen.


Oder eine elektrische Pfeffermühle? Dann wäre das Würzen wemiger anstrengend. Vor allem im Alter ein Segen, wenn die schwächer werdenden Geschmackspapillaren nach mehr Pfeffer verlangten und den Händen das Drehen an der Peffermühle zu mühselig wurde. Aber ach, es war ja sowieso zu spät, sie waren ohne mich fort.


Warum konnte ich nicht einfach einen Schlußstrich ziehen und mich neu orientieren? Warum konnte ich meine Freunde nicht vergessen? Warum erinnerte mich alles, was ich sah an sie? War Robert hier gewesen, der so gerne Bier trank?


Führte diese Spur zu Bohni?


Ich fragte bei den Händlern nach, ob ein rothaariger Mann bei ihnen Zigaretten gekauft hatte. Aber nichts. Hatte Bohni ihnen gesagt, sie sollten mir nichts erzählen?


Sekt? Kuchen? Selterswasser? Hatten sie ohne mich eine Party gefeiert? Ich war so eifersüchtig.


Vielleicht hatten sie neue Freunde gefunden und mich längst vergessen? Und ich konnte nicht aufhören, an sie zu denken... Wie ungerecht.


Ich war verlassen worden, mein Leben schien mir sinnlos. Ich konnte mich für nichts mehr interessieren. Nicht einmal daß man in Innsbruck die ostdeutsche Literatur verehrte, konnte mich trösten.


Was war man ohne seine Freunde? Ein Nichts! Wie AC/DC ohne AC und DC.


Ich brauchte Hilfe in meiner Situation. Ich mußte mein Leben wieder in den Griff bekommen. Dr. Ina Blaas, Diplom Lebens- und Sozialberaterin nahm mich in Behandlung. Ihre unkonventionellen Methoden zeitigten schnelle Erfolge.


Sie lehrte mich, nicht immer alles schwarz zu sehen! Wenn man ehrlich war, gab es genauso viel Weiß zu entdecken.


Man mußte Freude an den kleinen Dingen im Leben gewinnen. Wie lange hatte ich mir schon keine Blumen mehr fürs Fahrrad gekauft?


Man mußte dankbar sein für das, was man hatte.


Dann sah auch Innsbruck wieder so schön aus wie vorher.


Dann war jeder Tag ein Fest.

Montag, 7. Dezember 2015

Noch 1 - Diesmal Mittwoch in der Alten Kantine!

Andere würden sich an unserer Stelle bereits mit dem Leben danach beschäftigen, wir zerbrechen uns bis zum Schluss den Kopf, welche Veränderungen unsere Veranstaltung braucht, um auch wirklich jedem im Publikum etwas zu bieten. Und so warten wir auch bei unserer letzten Lesung mit einer Neuerung auf: Sie findet zum ersten Mal (wenn man man von einem Besuch bei den Surfpoeten absieht) an einem Mittwoch (20 Uhr, Alte Kantine) statt. Wir sind schon gespannt, wie das Experiment von euch aufgenommen wird. Und wir freuen uns, zu diesem Anlass noch mal einige unserer ehemaligen Mitglieder versammeln zu können: Andreas Gläser, Volker Strübing und Kirsten Fuchs in echt. Und Robert Naumann per Video. Allen, die uns in den sechzehn Jahren auf der Bühne oder vor der Bühne unterstützt haben, gilt unser Dank. Vielleicht kommen wir ja noch mal zusammen, wenn auch nie mehr so jung. Hier noch ein Lied, das wir in unserer Anfangszeit häufiger gebracht haben. Auch uns wurde diese Frage in den vergangenen Wochen oft gestellt, wenn auch zumeist auf Deutsch. So schließt sich der Kreis.



Macht's gut!
S.S.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Noch 2 - Diesmal in der Alten Kantine!

"Ach! Diesmal habe ich keine Zeit. Zur Chaussee werde ich einfach nächsten Donnerstag gehen." Tausende dürften in den letzten Jahren ihr schlechtes Gewissen darüber, wieder eine Veranstaltung von uns zu versäumen, mit dieser Selbstlüge entlastet haben. Dafür ist es nun zu spät, denn zum letzten Mal treten wir an einem Donnerstag auf. Und wer nächsten Mittwoch (9.12.) nicht pünktlich ist, bekommt vielleicht gar keinen Platz mehr. Wer weiß das schon? Nachher grämt man sich. Besser also auf Nummer sicher gehen und schon an diesem Donnerstag vorbeischauen, und zwar um 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei, die nur einen Steinwurf vom Frannz entfernt ist und wo die Chaussee auch ihre Abschiedsvorstellung geben wird.Wir sind uns nicht sicher, ob wir darauf schon hingewiesen hatten.
S.S.




Dienstag, 24. November 2015

Noch 3!

Diesen Donnerstag ein letztes Mal im Frannz, bevor es in die Alte Kantine geht! Und ein letztes Mal mit Spider, unserem Langzeitlieblingsgast. Was wird er wohl machen, wenn wir nicht mehr bei ihm anfragen, ob er für einen von uns einspringt? Hat sein Leben dann überhaupt noch einen Sinn? Vielleicht wird er die Chaussee neu gründen und ohne uns betreiben. Mal sehen, ob er schon Pläne hat. Wir werden ihn fragen. Ihr könnt das auch tun, sofern ihr es zu unserer drittletzten Veranstaltung schafft. Man kann es euch nur wünschen.

Hier noch mal zur Erinnerung die letzten beiden Termine:

3.12. um 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei

9.12. (Mittwoch): Abschiedsshow um 20 in der Alten Kantine der Kulturbrauerei

Auch diese Woche kann man übrigens wieder die neue Ausgabe der Brillenschlange kaufen. Die vier Jahre Warten haben sich gelohnt, sagen die, die schon in ihr gelesen haben.

S.S.

Dienstag, 17. November 2015

Noch 4!

Nun, wo wir in die Zielgerade einbiegen, tut auch hier im Blog Beschränkung gut, damit ihr euch auf das Wesentliche konzentrieren könnt: dass es bald für immer vorbei ist. Da es sowohl auf der Startseite als auch im Kopf vom Blog falsch steht, hier für euch die Korrektur, damit ihr die letzten vier Termine nicht verschlaft oder vor der falschen Tür steht:

19.11. um 20 Uhr im Frannz

26.11. um 20 Uhr im Frannz

3.12. um 20 Uhr in der Alten Kantine der Kulturbrauerei

9.12. (Mittwoch): Abschiedsshow um 20 in der Alten Kantine der Kulturbrauerei

Vielleicht kann das jemand von euch auf unserer Startseite und im Kopf vom Blog korrigieren. Von uns ist zu dieser Aktualisierung mangels Know-how irgendwie niemand in der Lage.
S.S.

Mittwoch, 11. November 2015

Noch 5

Wenn man sich mal auf einen Countdown eingestellt hat, dann klappt das eigentlich meistens. Ich hatte als Kind und Jugendlicher erhebliche Zweifel an meiner Eignung, rückwärts zu zählen. Deswegen habe ich mich auch gegen eine Ausbildung bei der NASA entschieden. Ich schien mir einfach zu riskant. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn ich mich verhaspelt oder in der Aufregung zweimal die Vier genannt hätte. Dann hätte der Astronaut mit seiner Rakete vermutlich gar nicht losfliegen können. Oder, nicht weniger schlimm: Ich hätte eine Zahl ausgelassen und er wäre eine Sekunde zu früh ins All gestartet. Heute weiß ich, dass diese Ängste unbegründet waren. Das Zurückzählen der letzten Veranstaltungen der Chaussee klappt einfach reibungslos. Da geht es meinen Kollegen nicht anders. Wir haben nur noch fünf Veranstaltungen und uns noch nicht einmal versprochen. Da haben wir uns ganz besonderen Besuch verdient: Ruth Herzberg, um deren Identität sich wahre Mythen ranken. Außerhalb des Netzes wurde sie noch nie gesichtet. Und vielleicht wird sie nach diesem Donnerstag auch wieder dorthin verschwinden, diesmal für immer. Hinter eurem Erscheinen steht also ein kategorischer Imperativ, wenn ihr nicht ohnehin unseretwegen kommt. Hier noch ein schönes Lied zum Countdown, wahrscheinlich eine Hommage an uns:




Wenn wir uns nicht auflösen würden, würden wir diese Band sicherlich auch mal einladen.
S.S.

Mittwoch, 4. November 2015

Noch 6


Sechsmal, ist das eigentlich viel oder wenig? Je nachdem. Sechsmal hundert Stockschläge kommen einem sicherlich endlos vor. Hat man nur noch sechs Atemzüge zu leben, dann vergeht die Zeit wie im Fluge. Beides keine schöne Aussicht. Dann doch lieber noch sechsmal die Chaussee besuchen. Das ist eine deutlich angenehmere Beschäftigung. Zumal es diese Woche endlich Flake Lorenz zu uns schaffen wird, um aus seinem "Tastenficker" zu lesen. Seine Stimme ist wieder genesen. Und wir sind froh, dass wir nicht sechs Veranstaltungen früher aufgehört haben. So hätten wir nie zueinander gefunden. Für uns müsste Flake im Grunde gar nicht aus seinem Roman vorlesen. Uns würde es uns schon genügen, wenn er einfach nur auf der Bühne säße. Aber er hat darauf bestanden, sich genauso zu beteiligen wie alle anderen Leser auch.
S.S.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Chaussee Plunk


Nur noch 7 Stäbchen, bzw. Chaussee-Shows, dann purzeln die Murmeln alle runter und der Sieger steht fest. Im Museum of childhood in Edinburgh gibt es dieses schöne Spiel zu sehen. Warum hatte ich das nicht? Und jetzt ist es zu spät! Heute (29.10.) kommt uns Uli Hannemann, Edelgestein von der Reformbühne Heim&Welt und von LSD - Liebe Statt Drogen, besuchen und nächste Woche ist dann schon November und die Tage werden bald wieder länger. Leider auch die Tage ohne Chaussee! JS

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Noch 8 (oder 7?)


Manche können es immer noch nicht glauben, daß wir aufhören, schließlich haben wir bisher noch nie etwas so gemeint, wie wir es gesagt haben, aber sich diesmal darauf zu verlassen, wäre ganz schön riskant. Diese Woche haben wir Sebastian Lehmann von der Lesedüne eingeladen, Bov Bjerg, der einen neuen Roman geschrieben hat und OL Schwarzbach, der neulich schon einmal für einen denkwürdigen Abend bei uns war, um seine Autobiographie vorzustellen. Ist das nicht das beste Casting seit "Dirty Dancing"? JS

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Noch 9


Warum steht da oben "Noch 9"? Ich sags nochmal: weil wir nur noch neunmal die Chaussee veranstalten. Ich würde also rasch nochmal kommen, wenn ich nicht sowieso dabei wäre. Warum hören wir eigentlich auf? Die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen, aber einer der Gründe könnte die wachsende Anzahl von Kindern sein, die wir betreuen müssen. Das macht einfach zu glücklich, da gibts dann nicht mehr viel zu schreiben. Diese Woche haben wir übrigens Rigoletti eingeladen und Michael Bittner von Saxx Royal. JS

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Noch 10


In seinem Wohnhaus in Wolfenbüttel gibt es von Lessing noch einen Spazierstock zu sehen, mit dem er immer nach Braunschweig in die Kneipe gelaufen ist, die Totenmaske und eine von seinen Locken. Was wird von uns bleiben, wenn es die Chaussee nicht mehr gibt? Irgendjemand hat ja mal unser Gästebuch gestohlen, hoffentlich hebt er es gut auf. Und in den ersten Jahren haben wir alle Abende mitgeschnitten, die können wir uns in den nächsten Jahren anhören. Ca. 800 Shows waren es, um die 100000 Zuschauer, in 600 Jahren hätte uns also statistisch gesehen jeder Berliner einmal gesehen gehabt, aber das geht nun leider nicht mehr. Ob Berlin sich davon noch einmal erholen wird?
In dieser Woche (8.10.) kommt uns endlich ein lang umworbener Gast besuchen, Flake Lorenz, der manchen vielleicht als sympatischer Brillenträger aus der DEFA-Rockmusikdokumentation "Flüstern&Schreien" bekannt ist. Er hat eine äußerst mitreißende Autobiographie geschrieben, die "Tastenficker" heißt, was sich auf seine Tätigkeit als Keyboarder bezieht, und die ich regelrecht verschlungen habe, so etwas Herzerwärmendes, Bewegendes und Komisches hatte ich lange nicht gelesen. Vielleicht kennt ihn auch der eine oder andere als Keyboarder seiner Musikgruppe, die aber aus Brandschutzgründen nicht anwesend sein wird. JS

Mittwoch, 30. September 2015

Alles hat ein Ende, auch die Chaussee

Die Würfel sind gefallen. Die Chaussee der Enthusiasten wird am 10. Dezember ihre letzte Vorstellung geben. Wir ziehen nicht um.
Wieso, weshalb, warum?
In diesem Fall bleibt auch der Frager dumm, weil wir unsere Gründe nicht verraten. Nur so viel: Yoko Ono ist diesmal unschuldig.
Der 28. Oktober 1999 begann im Cube Club mit einem kaputten Mikrofon, das wir mit einem kaputten Mikrofonkabel zu reparieren versuchten. Es war die verrauchteste Nichtraucher-Veranstaltung der Welt. Zweieinhalb Jahre später lief der Keller der "tagung" über - mit Zuschauern und Wasser, und wir flohen ins RAW-Ambulatorium, von dort ins "Badehaus Szimpla", mit Zwischenstopp im "Skandal" und der Stenzerhalle. Und nun beenden wir unsere Lesungs-Reihe im Frannz-Club.

Wir werden unsere letzten Shows noch einmal mit heiterkeitsprovozierenden Gästen garnieren. Zum Beispiel Jan Oppczynski, Dirk Gieselmann (11 Freunde), Flake (Rammstein), Bov Bjerg (Jahresrückblick), Rigoletti und Ahne (Reformbühne).

Wenn ihr uns noch mal sehen wollt: Der Countdown hat begonnen.

Donnerstag, 24. September 2015

Neofeminismus in Notlügen zulässig?

Es gibt wahrlich Schöneres im Leben, als den Freund oder Gatten in den Armen einer Anderen zu ertappen.

"Es ist nicht das, wonach es aussieht."
"Was ist es dann?"
"Sie ist eine Handwerkerin, die dabei war, unsere Deckenlampe im Schlafzimmer reparieren, aber zum radikalen Flügel der neofeministischen Gruppe "Femen" gehört und deshalb prinzipiell nur nackt arbeitet. Ihr ganzes Rumgeschraube und -gerede hat mich müde gemacht, und so legte ich mich schlafen, und zwar zufällig unter der Lampe, ab der die Handwerkerin arbeitete. Während ich so schlief, träumte ich, am Strand zu liegen, und da muss ich mich im Schlaf ausgezogen haben. Gerade in dem Moment, als ich mich sämtlicher Kleidungsstücke entledigt hatte, fiel sie von der Lampe herab (wie du schon bemerkt haben dürftest, arbeitet sie ohne Leiter, sondern hängt sich an Lampen fest, was ebenfalls neofeministische Gründe hat) und dummerweise auf meinen Unterleib. Ja. genau so war's. Krass, aber wahr. Wenn du das nicht glaubst, bin ich dir jetzt auch nicht böse, es klingt aber auch zu unwahrscheinlich."

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Erstens man akzeptiert die Erklärung. Oder man trennt sich. Als Abschiedsgeschenke empfehlen sich:
- Zahnbürste
- Deo
- Buch 1 "Kochen für Dummies"
- Buch 2 "Allein im Alter. Selbstmord pro und Contra"

Oder man reagiert wie Lisa aus Sheffield, Yorkshire und mietet für einen Tag eine Werbefläche.

An diesem Donnerstag ist die "Chaussee der Enthusiasten" komplett, und wir lassen uns vom Oberlausitzer Schriftsteller Udo Tiffert unterstützen.

Mittwoch, 16. September 2015

LGBTTQIA und noch ein paar Buchstaben mehr.

LG stand vor einer Weile mal für die Lesben/Schwulen-Community, wobei man zu der Zeit eigentlich von zwei getrennten Communities sprechen musste, und im Grunde ist die Zahl der Lesben in einer Schwulenbar auch noch heute eher überschaubar. Aber was sollte man mit den Bisexuellen tun, die sich ja nun nicht so ohne weiteres als schwul oder lesbisch bezeichnen lassen wollten? Ach, sagte man sich, hängen wir einfach noch ein B dran. Heraus kam LGB, an das nach einer Weile auch das T für Transsexuell (später "transgender") angehängt wurde. Queer, intersexuell, asexuell lieferten noch das QIA, so dass heute der einer "inklusiven Sprache" hinterhechelnde Sprecher sich "LGBTTQIA" merken muss. Hinter dem Begriff "inklusive Sprache" steckt die Annahme, Begriffe in der Sprache seien eindeutig zuschreibbar (den Exkurs zum Binnen-I und dem X-Suffix sparen wir uns hier). Es scheint, als brauche es nur jemanden zu geben, der eine etwas andere Spielart der Sexualität bevorzugt als wir sie im Biologiebuch sehen, und schon soll noch ein Buchstabe drangehängt werden.
Die sich Trevor MacDonald nennende Mutter beklagt nun, dass Hebammen von ihren Klientinnen immer noch als "Müttern" und "schwangeren Frauen" sprechen. Diese transphoben Schlingelinnen behaupten also tatsächlich, dass aufgrund der Biologie nur Frauen gebären können.
Die Queer Community vertrüge, so MacDonald, noch ein paar Buchstaben hinter der Buchstabensuppe LGBTTQIA. Wenn sie sich da mal nicht verkalkuliert. Wir zum Beispiel bevorzugen sexuell... Ach, hört es euch am Donnerstag am besten selber an.
Unser Gast ist diesmal Stefan Edgeton. Ein Mann, für den es sich zu kommen lohnt.

Mittwoch, 9. September 2015

Der 11. September ...

... ist ja mittlerweile ein Datum, das bei niemandem positive Assoziationen hervorruft. Denn längst haben auch die Letzten begriffen, dass nun nur noch 111 Tage bleiben, bis auch das laufende Jahr wieder zu Ende ist. In unseren Bereitengraden haben wir es damit natürlich immer noch besser als die Kopten und Äthiopier, die schon diesen Donnerstag Silvester feiern müssen. Da unser Herz immer für die Menschen schlägt, denen es schlechter geht als uns oder die zumindest subjektiv das Gefühl haben, dass es ihnen schlechter geht, lassen wir darum zum Trost diese Woche alle Kopten und Äthiopier umsonst rein. Die übrigen Besucher zahlen den Eintritt, den sie für angebracht halten innerhalb einer Preisspanne, in der sich jeder emotional zu Hause fühlt. Dieses Angebot sollte doch für alle ein Grund sein, sich zu freuen. Wer mit Gefühlen Schwierigkeiten hat, dem empfehlen dieses Video:



S.S.

Mittwoch, 2. September 2015

Der perfekte aber etwas schwierige Mord

Gab es eigentlich schon mal einen Krimi, bei dem der Mörder sein Opfer mit einer Überdosis Wasser getötet hat? Sechs Liter Wasser, zügig hintereinander getrunken, genügen, um einen Menschen ins Land des ewigen Pillepalle zu befördern. Schwieriger dagegen, jemandem 85 Schokotafeln auf einmal zu verabreichen, 70 Tassen Kaffee oder 680 kg Marijuana, die dann aber in 15 Minuten geraucht werden müssten, um ihre giftige Wirkung zu entfalten. Ins Surreale würde wohl auch ein Krimi lappen, in dem der Mörder sein Opfer daran hindert, aus der ab 8.000 Metern beginnenden Todeszone zu entkommen, während er es sich auf 7.999 Metern gutgehen lässt.

Bei der Chaussee der Enthusiasten spielen hingegen Realismus und Surrealismus Federball. So auch wieder am Donnerstag, wenn wir unseren Gast Jacinta Nandi begrüßen dürfen.